Für alles, „was das Leben mit sich bringt“: Beratungsangebot der evangelischen und katholischen Kirche feiert Jubiläum
In diesem Jahr feiert die Ökumenische Ehe-, Familien- und Lebensberatung (ÖEFL) in Oldenburg ihr 75-jähriges Bestehen und lädt dazu am Donnerstag, 5. November, um 11 Uhr zu einem ökumenischen Festgottesdienst in die Forumskirche St. Peter in Oldenburg ein. Im Anschluss findet in den Räumlichkeiten der Beratungsstelle in der Peterstraße 22-26 ein Tag der offenen Tür statt, bei dem das Team seine Arbeit vorstellt.
Den Gottesdienst gestalten Pfarrer Michael Bohne, Leiter der katholischen Kirchengemeinde St. Marien in Oldenburg sowie des pastoralen Raums Oldenburg-Delmenhorst, und Oberkirchenrat Lars Dede von der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg, der auch die Predigt halten wird. Die Mitarbeitenden der Ökumenischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Oldenburg beteiligen sich mit einem Impuls zu ihrer Arbeit. Musikalisch begleitet wird der Festgottesdienst vom Chor „Globioso Cinema Singers“ aus Oldenburg unter der Leitung von Popkantorin Karola Schmelz-Höpfner. Im Anschluss an den Gottesdienst sind Interessierte eingeladen, beim Tag der offenen Tür die Arbeit der Beratungsstelle anhand konkreter Methoden, Materialien und der Darstellung von Meilensteinen aus 75 Jahren Beratungsarbeit besser kennenzulernen.
„Ein starkes sichtbares Signal der Kirchen“ für die Gesellschaft in Oldenburg
Heribert Mählmann, Stiftungsvorstand des Caritas-Sozialwerks St. Elisabeth, betont: „Die Ökumenische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Oldenburg genießt eine große Wertschätzung und das Vertrauen der Menschen, die als Ratsuchende zu uns kommen. Sie erfahren Aufnahme und Rat in kompetenter und verlässlicher Weise auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes.“ Dabei sei das ökumenische Beratungsangebot der beiden Kirchen durch die ÖEFL in Oldenburg, das vom Caritas-Sozialwerk getragen werde, „ein starkes sichtbares Signal der Kirchen für die Gesellschaft vor Ort. Jeder Euro hier ist gut angelegtes Geld.“ Mit Blick auf das 75-jährige Bestehen ergänzt Mählmann: „Ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche im Sinne von Dietrich Bonhoeffer haben zu können, beschreibt die Erfahrung der erfolgreichen Beratungsarbeit der vergangenen 75 Jahre der ÖEFL ohne Zweifel sehr treffend.“
Oberkirchenrat Lars Dede betont: „Als Kirche stehen wir Menschen beratend zur Seite, die für sie wesentliche Lebensfragen klären möchten.“ In der Ökumenischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle geschehe dies „mit großer Kompetenz und Offenheit für die Anliegen der Ratsuchenden durch speziell dafür ausgebildete Mitarbeitende“. Insbesondere freut sich Oberkirchenrat Dede darüber, „dass wir diese wertvolle Begleitung in Oldenburg als evangelische Kirche in ökumenischer Verbundenheit mit der katholischen Kirche tun können.“
Seit 1951 beratend an der Seite von Menschen in Krisen- oder Konfliktsituationen
Die erste Sprechstunde im Bereich Ehe- und Jugendberatung fand im September 1951 durch die damalige Vikarin Hanna Brock im Ev. Krankenhaus in Oldenburg statt. In den folgenden Jahren wurden die Sprechzeiten ausgeweitet, sodass bereits Mitte der 1950er Jahre etwa 200 Beratungsfälle im Jahr unterstützt wurden. 1971 gründete sich zusätzlich eine eigenständige Erziehungsberatungsstelle in einer zu dieser Zeit einmaligen Konstellation: zur Hälfte in der Hand der Stadt Oldenburg, zur anderen Hälfte ökumenisch getragen von der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg und dem Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta. Eine geplante enge organisatorische Zusammenführung beider Beratungsstellen kam jedoch nicht zustande. Auch die Bezeichnung der kirchlichen Beratungsstelle wandelte sich mit ihrem Angebot: Aus der „Ehe- und Jugendberatungsstelle“ wurde in den 1970er Jahren die „Beratungsstelle für Ehe-, Jugend- und Lebensfragen“. Seit 2001 trägt sie im Zuge der Neuordnung der Beratungsarbeit in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg die Bezeichnung „Beratungsstelle für Ehe-, Familien- und Lebensfragen“. Nach mehreren Umzügen innerhalb Oldenburgs ist die Beratungsstelle seit Dezember 2014 in den Räumlichkeiten des Forum St. Peter in der Peterstraße in Oldenburg angesiedelt. Seit 2009 gehört sie zum Caritas-Sozialwerk (CSW), das die ökumenische Arbeit fortsetzt.
In ihrer Arbeit wendet sich die Ökumenische Ehe-, Familien- und Lebensberatung an Menschen in individuellen, partnerschaftlichen oder familiären Krisen- und Konfliktsituationen und bietet ihnen psychologische Beratung in einem sicheren und geschützten Raum an.
Wie wichtig diese Arbeit ist, belegen die statistischen Angaben aus dem Jahr 2025: Insgesamt wurden 787 Menschen in 2.277 Beratungskontakten unterstützt. Das Team aus acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern um die Leiterin Christine Crone berät Einzelpersonen, Paare und Familien in verschiedensten Konstellationen, aktuell im Lebensalter von 18 bis 90 Jahren. Themen können dabei persönliche Krisen sein, aber auch Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen Eltern und ihren erwachsenen Kindern, in der Partnerschaft oder Herausforderungen in der Berufs- oder Care-Arbeit. „Alles, was das Leben so mit sich bringt“ können Menschen in die Beratung bringen. In den Räumlichkeiten in der Peterstraße gibt es jeden Dienstag eine offene Sprechstunde von 16 bis 17 Uhr sowie jeden Donnerstag zwischen 11 und 12 Uhr eine Telefonsprechstunde. Zusätzlich gibt es überregional die Möglichkeit der Onlineberatung.
Die Nachfrage nach dem Beratungsangebot der Ökumenischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle ist groß und wächst stetig weiter. Ursachen hierfür sind der steigende Beratungsbedarf durch Versorgungsengpässe im Gesundheitssystem, die erhöhte Belastung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien und die vielen verunsichernden Krisen weltweit. Dies zeigt sich im Alltag der Beratungsstelle in Form einer Wartezeit, die potenzielle Klientinnen und Klienten einplanen müssen: Die Nachfrage nach Beratung ist größer als die Kapazitäten der Beratungsstelle.
Und auch die Zukunft hält Herausforderungen für die Ökumenische Ehe-, Familien- und Lebensberatung bereit: Die Arbeit der Beratungsstelle wird rein aus Kirchenmitteln durch das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta und die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg finanziert. Für die Klientinnen und Klienten ist die Beratung dadurch kostenfrei. Mit dem Absinken der Kirchensteuereinnahmen wächst allerdings auch der Kostendruck auf die Beratungsstelle. Sie ist deshalb auf Spenden angewiesen, um die Beratung für die betroffenen Personen auch in Zukunft stabil und weiterhin kostenfrei anbieten zu können.
Denn für das Team rund um Leiterin Christine Crone ist ganz klar, dass sie auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten als Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in ökumenischer Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche für die Menschen in Oldenburg und Umgebung da sein und ihnen einen geschützten Raum für ihre Anliegen bieten möchten.
