Bethen, Oldenburger Land, September 2026: Mit einem Konzert in der Wallfahrtsbasilika St. Marien Bethen beginnt am Freitag, 18. September 2026, um 19:00 Uhr eine fünfteilige Veranstaltungsreihe, die Musik und historisches Zeugnis auf eindrückliche und emotionale Weise verbindet. Unter dem Titel „Denn das Wort vom Kreuz" erklingen bis November musikalische Werke in fünf Kirchen des Oldenburger Landes — jeweils verbunden mit der Lesung von Originaltexten aus der Zeit des Kreuzkampfes von 1936. Neben der Orgel als Hauptinstrument erklingen bei einigen Terminen auch Töne aus der Flöte und Sopran-Sologesang.
Prof. Dr. Michael Hirschfeld, Historiker aus Vechta, hat eine historische Einleitung zu den fünf Abenden verfasst. Er macht deutlich, dass die Reihe gezielt an historische Schauplätze führt: Die Quellentexte könnten „im räumlichen Umfeld der Originalschauplätze gelesen eine besondere Authentizität entfalten und deutlich machen: Was vor 90 Jahren geschehen ist, das ist kein abstraktes Ereignis, sondern das ist an ganz konkrete Orte angebunden."
Die Reihe gehört zum Programm „Kreuz zeigen, weil Gesellschaft Haltung braucht", mit dem im Oldenburger Land an den 90. Jahrestag der breiten gesellschaftlichen Protestbewegung gegen die staatlich angeordnete Entfernung der Kreuze aus den Schulen im November 1936 erinnert wird.
Den Auftakt bildet Bethen als einer dieser Originalschauplätze. Am 18. November 1936 hielt Kaplan Franz Uptmoor aus Sevelten hier im Rahmen der jährlichen Kriegergedächtniswallfahrt vor 3.000 Menschen eine Predigt, die zu einem der markanten Dokumente des Kreuzkampfes gehört. Ihr Schlusswort — „Die Treue ist das Mark der Ehre! Treu sind wir Christus und dem Christentum und dem Zeichen des Christentums, dem Kreuze, weil wir Münsterländer sind!" — soll beim Konzert von Peter Havers als Sprecher vor dem Publikum lebendig werden. Ergänzt wird die Lesung durch den im November 1936 veröffentlichten „Kreuzerlass" von Minister Julius Pauly vom 4. November 1936, der in allen fünf Konzerten der Reihe verlesen wird. Er wird als zentrales Verwaltungsdokument beschrieben, das damals das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte.
Die musikalische Gestaltung übernimmt Christian Kienel, Kirchenmusiker an der Wallfahrtsbasilika Bethen. Das Programm umfasst Werke von Johann Sebastian Bach, Heinrich Scheidemann und Johann Ludwig Krebs, darunter Bachs Präludium und Fuge in c-Moll (BWV 549 und BWV 546) sowie Choralbearbeitungen wie „Da Jesus an dem Kreuze stund" (BWV 621) und „Wenn wir in höchsten Nöten sein" (BWV 641). Die weiteren vier Konzerte führen die Reihe im Oktober und November 2026 nach Oldenburg (St. Peter, 2. Oktober), Vechta (Propsteikirche St. Georg, 30. Oktober), Cloppenburg (St. Andreas, 6. November) und Bösel (St. Cäcilia, 20. November), dem Ursprungsort des Kreuzkampfes, wo die Reihe ihren Schlusspunkt findet. Jeweils passend zum Veranstaltungsort werden dabei weitere Originaltexte aus dem Jahr 1936 verlesen — als Topographie der Erinnerung an die Stationen eines Ereignisses, das, wie Hirschfeld unterstreicht, „als Akt widerständigen Verhaltens in einer totalitären Diktatur ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland" besitzt.
Der Eintritt ist frei.
